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Hertha BSC Blog – Berlin Fußball Bundesliga

Bremen Hertha und das Wechselbad der Gefühle

In einem packenden, mitreißenden und durch pure Fußballleidenschaft geprägten Spiel trennten sich Werder Bremen und Hertha BSC mit 3:3. Beide Mannschaften lieferten sich dabei über 90 Spielminuten einen furiosen Schlagabtausch mit vielen turbulenten Strafraumszenen. Nichts für schwache Nerven. Zwischenzeitlich führte Hertha schon mit 2:0 und 3:1 und die Bremer schienen besiegt zu sein. Aber ebenso leidenschaftlich und mutig wie die Berliner einen Auswärtsdreier erkämpfen wollten, hielten die abstiegsgefährdeten Werderaner dagegen. Ein wenig erinnerte die Partie an den grenzwertigen 4:4 Fußball-Thriller bei Eintracht Frankfurt im Dezember 2014, als Alex Meier mit zwei Treffern in der Nachspielzeit den schon so gut wie sicher geglaubten Hertha-Auswärtserfolg doch noch verhinderte. Damals führten die Berliner sogar mit 3:0 und 4:2 und konnten den Sack trotzdem nicht zumachen.
Februar 2016 - Spielergebnis - Werder Bremen - Hertha BSC - 3:3
Aus über 30 Metern Entfernung brachte Vladimir Darida Hertha BSC mit einem Weitschuss-Kracher in Führung.
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Vladimir Darida Weitschuss-Kracher

Das Toreschießen eröffnete Vladimir Darida in der 29. Spielminute mit einem fulminanten Weitschuss-Kracher. Von keinem Gegenspieler attackiert, nahm Herthas Dauerläufer Darida sich einfach ein Herz und zog aus über 30 Metern Abstand zum Tor mal kraftvoll ab. Werders Torhüter schien gerade im Tiefschlaf zu verweilen, denn seine Abwehraktion war mehr als merkwürdig, als er geradezu am Ball vorbeisprang. Zur Entlastung des Torwarts Wiedwald ist vielleicht anzuführen, dass Daridas Weitschuss wohl mächtig flatterte. Über die TV-Bilder war dieses nicht eindeutig zu beurteilen. Seit der Tscheche Vladimir Darida direkt hinter den Spitzen agiert, hat Herthas Offensive enorm an Torgefahr hinzugewonnen. Darida ist der Garant der Berliner Erfolgssträhne. Sollte er irgendwann ausfallen, kann er nicht adäquat ersetzt werden.

Herthas Freistoßspezialist Marvin Plattenhardt zirkelte den Ball aus 18 Metern Entfernung direkt unter die Latte des Bremer Kastens.
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Der Freistoßspezialist Marvin Plattenhardt

Nur gute 10 Minuten später stand Werders Keeper erneut im Blickpunkt, als Herthas Freistoßspezialist Marvin Plattenhardt den Ball aus ca. 18 Metern perfekt unter die Latte ballerte. Torwart Wiedwald stand eigentlich genau da, wo der scharf geschossene Freistoß aufs Tor zuflog. Aber er bekam seine Arme nicht schnell genug hoch. Ob dem Keeper die Sicht versperrt war oder er noch von Daridas Weitschuss-Kracher verunsichert war? Egal, Hertha nahm Kurs Europapokal und ging mit einer soliden 2:0 Führung in die Halbzeitpause. Zu diesem Zeitpunkt rechnete wohl niemand damit, dass die Top-Defensive der Bundesliga in der 2. Halbzeit noch drei Gegentore schlucken sollte. Schließlich stellte Hertha mit Rune Jarstein im Tor in der 65. Spielminute sogar einen neuen Vereinsrekord auf: 398 Minuten ohne Gegentor. Aber dann brachen alle Dämme. Innerhalb von nur 10 Minuten musste Jarstein gleich dreimal hinter sich fassen und die Herthaner konnten von Glück reden, nicht noch mehr Tore gefangen zu haben. Die Defensive schwamm gehörig. Zuerst umkurfte der Bremer Bartels die halbe Hertha-Mannschaft, bevor er trocken zum 1:2 Anschluss traf. Und nur 8 Minuten später ließ sich der sonst so sichere Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger von der Verunsicherung anstecken und grätschte den Bremer Ujah im Strafraum um. Den fälligen Strafstoß versenkte Pizarro sicher und legte nur zwei Minuten danach noch einen drauf und köpfte den Ball nach einer Ecke zum 3:3 ein.

Salomon Kalou traf zum Zwischenstand von 3:1 für Hertha. Kalou steht mit seinem 10. Saisontreffer auf Platz 5 der aktuellen Bundesliga-Torjäger-Liste.
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Salomon Kalou schießt 10. Saisontor

Hertha und das Wechselbad der Gefühle. Der Anschlusstreffer zum 1:2 von Bartels war gleichzeitig das Ende von Herthas wochenlanger Defensiv-Herrlichkeit. Selten (vielleicht noch nie) unter Trainer Pal Dardai ließ sich die Abwehr so entblößen, wie bei Fin Bartels Sturmlauf Richtung Rune Jarstein. Warum stoppte niemand Bartels? Okay, Skjelbred hatte schon Gelb und Hertha war eigentlich in Überzahl. Aber die Abwehrreihe ließ sich dermaßen düpieren, dass Pal Dardai sich wohl wie im falschen Film wähnte. Dass die Hertha nach diesem fatalen Abwehraussetzer kurz darauf sogar zurückschlug und durch das Tor von Torjäger Salomon Kalou nur 4 Minuten später den zwei Tore Vorsprung wiederherstellte, war schön und wichtig, aber zu wenig. Denn die Bremer riskierten zwangsläufig den offenen Schlagabtausch, setzten alles auf Angriff und konnten eine verloren geglaubte Partie doch noch in ein Unentschieden verwandeln. Als Hertha-Fan musste man ganz schön schlucken. Vor der Partie wäre ein Unentschieden bei Werder Bremen ein ordentliches Ergebnis gewesen. Nach zweimaliger Zwei-Tore-Führung allerdings fühlte man sich beim Schlusspfiff, wie durch den Wolf gedreht. So als ob die zum Greifen nahe Teilnahme am Europapokal soeben vergeigt wurde.

Hertha BSC verlängert den Vertrag mit Innenverteidiger Brooks bis 2019. John Anthony Brooks und Manager Michael Preetz bei der Vertragsunterzeichnung.
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Innenverteidiger John Anthony Brooks verlängert bis 2019

Aber die Hertha-Fans hatten dieses Wochenende auch richtig Grund zur Freude. Denn Hertha-Manager Michael Preetz konnte den Vertrag mit dem starken Innenverteidiger John Anthony Brooks um zwei Jahre bis zum Sommer 2019 verlängern. Ohne diese Vertragsverlängerung hätte Urgestein Brooks schon diesen Sommer transferiert werden müssen. Denn einen solchen Top-Spieler im nächsten Jahr ganz ohne Ablöse ziehen zu lassen, kann die Hertha sich finanziell nicht erlauben. John Anthony Brooks kommt aus der eigenen Jugend und ist nunmehr seit 8 1/2 Jahren Herthaner. Er ist nicht nur ein sehr starker Innenverteidiger, der mit 23 Jahren noch lange nicht an seiner oberen Leistungsgrenze spielt, sondern auch eine wichtige Identifikationsfigur für den Verein, den Hertha-Nachwuchs und die Fans.

Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger holt Ujah elfmeterreif von den Beinen. Ohne das darauf folgende Elfmetertor von Pizarro hätte Hertha vielleicht alle drei Punkte aus Bremen entführt.
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Schiedsrichter Bastian Dankert

Ticker. Werder Bremen – Hertha BSC – 3:3 (0:2). Vor 40.141 Zuschauern boten die Bundesliga-Kontrahenten aus Bremen und Berlin einen leidenschaftlichen Schlagabtausch. Viele Torszenen und viele Tore. Schiedsrichter Bastian Dankert und sein Schiedsrichtergespann hatten die Partie gut im Griff. Den Herthanern Genki Haraguchi, Per Skjelbred und Mitchell Weiser zeigte Bastian Dankert die Gelbe Karte. Die Tore für Hertha BSC erzielten Vladimir Darida in der 29. per Weitschuss, Marvin Plattenhardt per Freistoß in der 42. sowie Salomon Kalou in der 71. Spielminute. Die Tore für Werder Bremen erzielten Fin Bartels in der 67. sowie zweimal Claudio Pizarro in der 75. per Elfmeter und der 77. Minute per Kopfball. Herthas Spieler mit der größten Laufdistanz: Dauerläufer Vladimir Darida mit 12,8 gemessenen Kilometern.

Werder Bremen gegen Hertha BSC
Hertha-Mannschaftsaufstellung und Einwechselspieler:
Februar 2016 - Mannschaftsaufstellung - Werder Bremen - Hertha BSC

Hertha-Spiele Fußball-Historie

Ältere Spielberichte, Informationen und Meinungen zu Begegnungen beider Mannschaften vom Schiedsrichtergespann:
26. August 2015 – Valentin Stocker Kracher – Hertha BSC – Werder Bremen – 1:1
02. Februar 2015 – Matchplan Desaster – Werder Bremen – Hertha BSC – 2:0
25. August 2014 – Schieber Doppelpack – Hertha BSC – Werder Bremen – 2:2
05. Mai 2014 – Schneid abkaufen – Werder Bremen – Hertha BSC – 2:0
16. Dezember 2013 – Torjäger Adrian Ramos – Hertha BSC – Werder Bremen – 3:2
05. März 2012 – Not-Sechser – Hertha BSC – Werder Bremen – 1:0
25. September 2011 – Fußball-Krimi-k-o – Werder Bremen – Hertha BSC – 2:1
05. Februar 2010 – Kein Punkt – Werder Bremen – Hertha BSC – 2:1
30. August 2009 – Relegationsplatz – Hertha BSC – Werder Bremen – 2:3
19. April 2009 – Josip Simunic – Hertha BSC – Werder Bremen – 2:1
01. November 2008 – Lucien Favre – Werder Bremen – Hertha BSC – 5:1

Hertha BSC Werder Bremen Ergebnisse 1. Bundesliga
1. Bundesliga 19. Spieltag:

Freistoßspezialist Marvin Plattenhardt Werder Bremen Hertha BSC

Hertha BSC Werder Bremen Tabelle 1. Bundesliga
1. Bundesliga 19. Spieltag:

Vladimir Darida Weitschuss-Kracher Werder Bremen Hertha BSC

Pressekonferenz mit den Trainern Pal Dardai und Viktor Skripnik
Werder Bremen – Hertha BSC
HerthaTV, der offizielle YouTube-Kanal von Hertha BSC

7 Kommentare

  1. „Wir waren zu nett“ sagte Dardai nach dem Spiel.
    Nettigkeit? Winterschlaf?

    Hoffentlich war das Spiel der Weckruf für alle Spieler, konzentriert und engagiert die restlichen Speile bis zum Schlusspfiff zu absolvieren.

  2. Da wird Pal Dardai insbesondere die Spielszene im Sinn gehabt haben, als der Bremer Fin Bartels im Tempodribbling mit Ball von der Mittellinie bis in Herthas Strafraum vordringen konnte, wo ihm zu allem Überfluss sogar noch freie Schussbahn auf Jarsteins Kasten spendiert wurde.

    Wo war da die so hochgelobte Hertha-Defensive? Skjelbred hatte schon Gelb und konnte kein taktisches Foulspiel riskieren. Hatte Fabian Lustenberger die Chance Bartels zu stoppen? Ein rabenschwarzer Tag für Lustenberger? Würde irgendwie passen. Seine Abwehraktion im Strafraum an Ujah hatte auch das falsche Timing, und führte zum Elfmeter.

    Oder verließ der eine sich auf die anderen? Denn die beiden Innenverteidiger Langkamp und Brooks hatten schließlich auch noch die Möglichkeit Bartels irgendwie zu stellen. Aber es war auch schon ein irrwitziges Ding, was Bartels da abzog. Wie Messi, allein gegen alle.

  3. Hast du den kicker gelesen am Montag LR?
    Dardai auf dem Titelbild und ein Interview auf Seite 6.

    Die Berliner Morgenpost hat heute nachgezogen. 😉
    Dardai auf dem Titelbild und ein Interview auf Seite 3.

  4. Den Kicker hab ich nicht gelesen. Aber das erfrischende Interview in der Morgenpost konnte ich genießen. Richtig losprusten musste ich bei Pal Dardais Aussage, „Ich bin nämlich ein schlimmer Elefant und vergesse nicht.“

    Hoffentlich bleibt uns das aktuelle Trainerteam noch lang erhalten. Auch wenn Hertha zum Ende der Saison keinen Europapokalplatz erreichen sollte, der Fußball den die Mannschaft unter Dardai spielt ist sehenswert und sehr unterhaltsam.

  5. Bin ich bekloppt oder was LR?
    Nicht nur, dass ich mich bemühe, kein Herthaspiel zu verpassen.

    Nein, mittlerweile schaue ich jede PK mit Pal Dardai bei HerthaTV, die du hier verlinkst. Pure Unterhaltung.

  6. Soll ich dir ne Kopie schicken vom kicker LR?