Schiedsrichtergespann

Hertha BSC Blog – Berlin Fußball Bundesliga

Hertha BSC schrappt um Haaresbreite am Bundesliga-Abstieg vorbei

Am letzten Spieltag der Saison verlor Hertha BSC bei 1899 Hoffenheim mit 1:2 und schrappte damit um Haaresbreite am Abstieg in die 2. Bundesliga vorbei. Ein Blick auf die Tabelle lässt einen sogar im Nachhinein noch ordentlich schwindlig werden. Nur ein besseres Torverhältnis rettete die Blau-Weißen auf der Zielgeraden vor den gefürchteten Relegationsspielen gegen den Tabellendritten der 2. Liga dem Karlsruher SC. Gerade der KSC. Sehr viele Hertha-Fans verbindet eine tiefe Freundschaft mit den KSC-Fans. Nicht auszudenken, wenn das Duell unter Freunden eine ähnlich unrühmliche Brisanz entwickelt hätte, wie Herthas Relegationspleite 2012 gegen Fortuna Düsseldorf. Jetzt heißt es ganz entspannt – Daumen drücken für den Karlsruher SC gegen den Hamburger SV.

Mai 2015 - Spielergebnis - 1899 Hoffenheim - Hertha BSC - 2:1
Herthas Roy Beerens erzielte das wichtige Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich.
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Nur drei Punkte aus den letzten sieben Partien

Man war das knapp. Die Luft im Abstiegskampf wurde für Hertha mit jeder weiteren noch zu spielenden Partie dünner und dünner. Noch zwei, drei Bundesligaspieltage zusätzlich und Hertha wäre wohl vollends abgesoffen. Nur drei Punkte aus den letzten sieben Partien war die lausige Ausbeute. Der Negativlauf eines typischen Abstiegskandidaten. Trotzdem kann man dem Trainerduo Pal Dardai und Rainer Widmayer nur danken. Denn als die beiden im Februar das Ruder von Jos Luhukay übernahmen, belegte Hertha Platz 17 vor dem 18. Borussia Dortmund und galt als klarster Abstiegsanwärter. Nun, viele Unentschieden und eine handvoll Siege später ist Hertha gerettet und ein Neuanfang in der 1. Bundesliga möglich.
Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger ging wie immer kämpferisch voran. Hier im Kopfballduell mit dem kantigen Modeste.
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Die nächste Saison wird wieder knüppelhart

Ob es wenigstens im nächsten Jahr mit der erhofften Etablierung im Oberhaus klappt, bleibt allerdings abzuwarten. Sehr viel wahrscheinlicher scheint es, dass Hertha auch in der Saison 2015/16 gleich von der ersten Minute an im Abstiegskampf steckt. Ein mittelschwerer Etat, wie Hertha BSC ihn zur Verfügung hat, reicht in der Bundesliga derzeit absolut nicht aus, um krisenfrei durch eine Saison zu marschieren. Grob gesagt, wird unter zehn Vereinen ausgespielt, wer am Ende runter muss. Und Hertha wird eines dieser zehn Teams sein. Zwei, drei hervorragende Sommer-Transfers könnten die Lage sicher etwas entschärfen.

Hertha-Trainer Pal Dardai hat den Klassenerhalt für Blau-Weiß gesichert
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Hertha-Trainer Pal Dardai

Aber viel mehr wird es darauf ankommen, dass zwischen Spielern, Trainern, Management und Fans Geschlossenheit herrscht. Ein „Worst Case“-Szenario wäre wohl, wenn sich eine Söldnermentalität bei den Spielern ausbreitet. Und die Verantwortlichen langsam die Kontrolle über die Mannschaft verlieren. Da denke ich, ist Pal Dardai genau der richtige Trainer, nicht nur um ein funktionierendes Mannschaftsgefüge zu entwickeln, sondern gerade, weil er die Verbundenheit zum Verein so vorlebt, wie aktuell kein anderer. Taktik-Tüftler Rainer Widmayer wird mit Dardai hoffentlich dafür sorgen, dass Hertha bald wieder mehr Tore erzielt. Denn nur Mauern geht im 3. Jahr Bundesliga einfach nicht durch.

Co-Trainer Rainer Widmayer hat ebenfalls einen großen Anteil an Herthas Klassenerhalt
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Schiedsrichter Knut Kircher

Ticker. 1899 Hoffenheim – Hertha BSC – 2:1 (1:0). 30.150 Zuschauer in der ausverkauften Wirsol Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim sahen eine Partie, in der es nur für Hertha um die Wurst oder besser gesagt, ums nackte Überleben ging. Trotz dieser eigentlich optimalen Vorrausetzung gelang es den Blau-Weißen gerademal so das Spiel wenigstens offen zu halten, aber leider nie zu dominieren. Und die grausame Abschlussschwäche der Berliner hat mittlerweile so übermächtige und bedrückende Züge angenommen, dass man als Hertha-Fan nur noch Verzweifeln kann. Zum Glück ist diese schwierige Saison beendet. Zum Glück hat Hertha den Klassenerhalt doch noch gepackt. Für die Verteilung der Gelder an die Bundesligavereine und die dazugehörige Fünf-Jahres-Wertung ist der lausige Platz 15 zwar ein herber Rückschlag, aber nichts geht über den Klassenerhalt. Schiedsrichter Knut Kircher und sein Schiedsrichtergespann verbrachten einen ruhigen Nachmittag im Kraichgau. Den Blau-Weißen Valentin Stocker und Sascha Burchert zeigte Kircher die Gelbe Karte. Das Tor für Hertha BSC erzielte der endlich wieder genesene Roy Beerens mit einer feinen Einzelaktion in der 72. Spielminute. Die Tore für 1899 Hoffenheim markierten Modeste in der 8. und Firmino in der 80. Minute. Herthas Dauerläufer der Partie: Per Skjelbred mit 11,85 gemessenen Kilometern.
Hertha BSC gegen 1899 Hoffenheim
Hertha-Mannschaftsaufstellung und Einwechselspieler:

Mai 2015 - Mannschaftsaufstellung - 1899 Hoffenheim - Hertha BSC

Hertha-Spiele Fußball-Historie

Ältere Spielberichte, Informationen und Meinungen zu Begegnungen beider Mannschaften vom Schiedsrichtergespann:

22. Dezember 2014 – Rumpftruppe auf Zahnfleisch – Hertha BSC – 1899 Hoffenheim – 0:5
07. April 2014 – Sami Allagui – Hertha BSC – 1899 Hoffenheim – 1:1
11. November 2013 – Torjäger Adrian Ramos – 1899 Hoffenheim – Hertha BSC – 2:3
07. Mai 2012 – Relegation – Hertha BSC – 1899 Hoffenheim – 3:1
17. Dezember 2011 – Stochertor Hubnik – 1899 Hoffenheim – Hertha BSC – 1:1
27. Februar 2010 – Bangen – Hertha BSC – 1899 Hoffenheim – 0:2
27. September 2009 – Schießbude – 1899 Hoffenheim – Hertha BSC – 5:1
24. April 2009 – Effizienz – 1899 Hoffenheim – Hertha BSC – 0:1
09. November 2008 – Bundesliga-Spitzenreiter – Hertha BSC – 1899 Hoffenheim – 1:0
Gegen 1899 Hoffenheim legte Herthas Laufwunder Per Skjelbred 11,85 Kilometer auf dem Feld zurück
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Hertha BSC 1899 Hoffenheim Ergebnisse 1. Bundesliga
1. Bundesliga 34. Spieltag:

1899 Hoffenheim Hertha BSC Trainer Pal Dardai

Hertha BSC 1899 Hoffenheim Tabelle 1. Bundesliga
1. Bundesliga 34. Spieltag:

1899 Hoffenheim Hertha BSC schrappt um Haaresbreite

Pressekonferenz mit den Trainern Pal Dardai und Markus Gisdol
1899 Hoffenheim – Hertha BSC

11 Kommentare

  1. … die seit Jahren zu beklagende Erkenntnis, dass Hertha zu stark für die 2. und (fast) zu schwach für die 1. Liga ist, hat sich wieder einmal erneuert – alles hing bis in die letzten Minuten der gesamten Spielsaison an einem sehr dünnen blau-weißen Schicksalsfädchen, das Hertha sich (durch eigenes Unvermögen) selbst gesponnen hatte und das zum Zerreißen dürr war.
    Gehen die Hängepartien im Angesicht von Abgrund und Absturz in der nächsten Saison so weiter? …

  2. Sacken lassen. Erst mal sacken lassen diese Saison. Zu einem ausgewogenen Fazit bin ich noch gar nicht in der Lage. Zunächst habe ich eine Frage zur Historie: Endete das oben verlinkte Spiel gegen Hoffenheim nicht mit einem anderen Ergebnis am 22.12. 2014?

  3. Nun stimmt der Link zum letzten Heimspiel der Hinrunde LR.
    Die Hinrunde war gruselig nach meiner Erinnerung mit Ausnahme des Heimsieges gegen den BVB und dem mitreißenden Spiel bei der Frankfurter Eintracht.
    Die Rückrunde war kaum besser. Dardai stellte 2 Abwehrreihen vor den eigenen Strafraum, so dass Hertha weniger Gegentore bekam. Eigene Tore hat Hertha kaum noch geschossen. Schlussendlich hat es gereicht, um auf Tabellenplatz 15 einzulaufen aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber dem HSV.
    Der zuverlässigste Punktelieferant war für Hertha der Hamburger SV, wie in der Vorsaison. Schade, dass nun die Freunde aus Karlsruhe den Dino in die 2. Liga schießen werden.

  4. In der gesamten Saison (unter beiden Trainern) hat Hertha die wenigsten Schüsse aufs gegnerische Tor abgegeben nach der Darstellung in der Morgenpost
    http://www.morgenpost.de/sport/hertha-aktuell/article141469553/Hertha-BSC-und-die-Lehren-einer-verkorksten-Saison.html

  5. Ein klassischer copy and paste error. Fast richtig ist dann plötzlich völlig falsch. So wurde aus der traurigen Wahrheit, dem 0:5 Heim-Debakel gegen Hoffenheim, ein akzeptales Unentschieden. Geschichtsfälschung geht ähnlich. Danke, Blauer Montag.

  6. Die Morgenpost-Auswertung ist super-schauerlich-anschaulich. Denn Herthas Werte sind in sehr vielen Punkten absolut grenzwertig und eines Erstligisten nicht würdig. Das der ausgewiesene Bundesliga-Fachmann Jos Luhukay und Manager Michael Preetz mit relativ viel Geld zur letzten Saison ein Team zusammengestellt hatten, welches so abschmiert. Diese Morgenpost-Statistik ist ernüchternd und bestätigend.
    Hertha würde dreifach profitieren, wenn der HSV absteigt:
    – die Freunde aus Karlsruhe steigen auf
    – in der Geldrangliste klettert Hertha und kassiert mehr Kohle (irgendwo gelesen)
    – ein finanzstarker Konkurrent weniger beim nächsten Abstiegskampf

  7. Ja, ja Blueboy, die Erkenntnisse aus der letzten Saison zeigen die Richtung an. Hertha braucht wohl eine Extraportion Glück, um die nächste Saison ohne Krise zu überstehen. Ich denke eher, wir können uns wieder auf einen spannenden Abstiegskampf einstellen. Vielleicht erarbeitet sich Hertha ja irgendwann den Titel „Die Unabsteigbaren“.

  8. Wann hatten wir die letzten Saisondaten hier diskutiert LR? Nach der letzten Saison oder auch nach der Hinrunde 2014 – zum Jahreswechsel 2015 hin?

    Nach meiner schwachen Erinnerung sind Herthas Offensivwerte noch schlechter geworden. Eine Fehlpassquote von 30% – im Schnitt aller 34 Ligaspiele. Schlechter war nur der SV Werder. Umso erstaunlicher, dass die Bremer trotzdem 50 Tore schossen und Platz 10 erreichten. Unter Luhukay wie unter Dardai – die Laufwege sehen grausam aus und der ballführende Herthaner weiß nicht, wen er anspielen soll. :-( :-( :-(

  9. Zur Nachbetrachtung der Bundesligasaison 2013/14 hatte die Berliner Morgenpost im Mai 2014 so eine opulente Drehradgrafik veröffentlicht. Da hatten wir richtig Futter für die Diskussion. http://www.morgenpost.de/sport/hertha-aktuell/article127895048/Herthas-Saisonbilanz-Schwacher-Angriff-starke-Abwehr.html

    Leider hab ich aktuell wenig Zeit. Aber die Sommerpause ist lang. Und nach dieser schwachen Hertha-Saison gibt es einiges zum Aufbereiten.

  10. Guten Morgen,
    hattet ihr in den letzten Tagen Zeit, in der Berliner Morgenpost die Saisonbilanz mit Hinrundenbilanz 2014 zu vergleichen?

    http://www.morgenpost.de/sport/hertha-aktuell/article135674494/Hertha-in-der-Hinrunde-Die-grosse-Morgenpost-Analyse.html

    In der Winterpause schrieb ich.

    Aus der Fülle der Daten (in der Regel arithm. Mittelwerte für 17 Ligaspiele) möchte ich hier und heute die 35 Gegentore und weitere ausgewählte Daten kommentieren.
    Eine der Binsenweisheiten lautet sicher: „Wer den Ball nicht hat, kann keine Tore schießen (höchstens Eigentore).“
    Hertha hat eine Fehlpassquote von 31% und nur 44 % Ballbesítz (in der Grafik Spielanteile genannt). Dann muss Hertha den Gegnern hinterher laufen und konnte diese nur noch durch insgesamt 306 Fouls stoppen, die von den Schiedsrichtern mit 39 Karten geahndet wurden.

    In der Gesamtbetrachtung der Saison (veröffentlicht in der Morgenpost am 26.5.2014) stehen 573 Fouls und 76 Karten. Hertha hat eine Fehlpassquote von 30 % und nur 42 % Ballbesítz (in der Grafik Spielanteile genannt). Hertha bekam 52 Gegentore. Unter Trainer Luhukay hatte Hertha nach 19 Spielen ein Torverhältnis von 24:38 und 18 Punkte. Unter Trainer Dardai erreichte Hertha in 15 Spielen ein Torverhältnis von 12:14 und 17 Punkte.

    Signifikant wurde unter Dardai die Zahl der Gegentore verringert durch die Positionierung zweier Abwehrreihen vor dem eigenen Strafraum. Ob jedoch dieses 4-4-2-System ausreicht für einen guten Start in Herthas 33. Bundesligasaison, ist in meinen Augen zweifelhaft. 24 Tore in 19 Spielen unter Luhukay waren mehr als 12 Tore in 15 Spielen unter Dardai. In Stuttgart und in den Heimspielen gegen Köln und Frankfurt spielte Hertha O:0, in Hannover 1:1. Vier Spiele, in denen jeweils ein mickriges Törchen für Hertha weitere 2 Punkte für den Klassenerhalt gebracht, und uns die Zitterpartie in Hoffenheim erspart hätten.

  11. Hertha bekam bereits in der Hinrunde 8, in der gesamten Saison 11 Gegentore per Kopf. Dardai hat die Abwehrreihen zurück beordert, um die Lufthoheit im eigenen Strafraum zurück zu gewinnen. Dadurch jedoch wurden die Wege noch vorne weit, zu weit für Herthas Stürmer?