Schiedsrichtergespann

Hertha BSC Blog – Berlin Fußball Bundesliga

Mit Trainerwechsel zum Auswärtssieg in Mainz

Im 6-Punkte-Spiel beim 1. FSV Mainz 05 siegte Hertha BSC verdient mit 2:0 und verschaffte sich Luft im Abstiegskampf. Obwohl der Trainerwechsel erst zwei Tage zuvor vollzogen wurde, zeigte die Hertha-Mannschaft auf dem Platz in Mainz ein ganz anderes, erfreulich optimistischeres Gesicht als in den drei vorangegangenen Partien gegen Hoffenheim, Bremen und Leverkusen, als die Berliner sich mit ihrer grausamen Mauertaktik völlig verzettelt zu haben schienen. Sollten die Blau-Weißen Selbstvertrauen und Erfolgsschwung mitnehmen können und auch die Partie am nächsten Sonntag gegen den SC Freiburg gewinnen, hätte das neue Hertha-Trainer-Duo Pal Dardai und Rainer Widmayer einen Einstand nach Maß.
Februar 2015 - Spielergebnis - 1. FSV Mainz 05 - Hertha BSC - 0:2
Herthas Jens Hegeler versenkt den Elfmeter eiskalt zum 1:0 gegen den 1. FC Mainz 05
Foto: Getty Images

Hertha-Trainer-Duo Dardai Widmayer

Da Herthas Personaldecke durch Verletzungen, Ausfälle und Abstellung aktuell recht dünn besetzt ist, konnte das neue Trainer-Duo Pal Dardai und Rainer Widmayer nur einen Spieler in die Startaufstellung aufnehmen, der beim alten Trainer Jos Luhukay nicht so richtig zum Zuge kam, den 23jährigen Linksverteidiger Marvin Plattenhardt. Und der machte seine Sache ordentlich bis gut. Die wichtigste Umstellung war sicherlich Fabian Lustenberger aus der Innenverteidigung ins defensive Mittelfeld vorzuziehen. So sorgten die beiden Sechser Skjelbred und Lustenberger im Verbund erfolgreich dafür, dass die Mainzer frühzeitig gestört wurden und deshalb nur zu wenigen guten Aktionen nach vorne kamen. Die größte Überraschung war aber die unbändige Spielfreude von Herthas Angriffsreihe in der ersten Halbzeit. Unter der Führung vom bestens aufgelegten Valentin Stocker erspielten sich die Berliner endlich wieder einmal viele und gute Torchancen. So schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es im Mainzer Gebälk klingeln sollte.
Hertha-Trainer-Duo Pal Dardai und Rainer Widmayer bei ihrem Debut in Mainz
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Valentin Stocker wie entfesselt

Es wäre schon interessant zu erfahren, wie das neue Hertha-Trainer-Duo Dardai Widmayer es schafften, dass Valentin Stocker plötzlich wie entfesselt wirkte und auf der 10er-Position erstmals seit dem Stuttgart-Heimspiel seine Leistungsfähigkeit voll abrufen konnte. Das Spiel gegen 1. FSV Mainz 05 entschied Stocker fast im Alleingang. Denn bei beiden Hertha-Toren war er maßgeblich beteiligt. Zuerst sein unerbittliches Nachsetzen gegen den schläfrig agierenden Mainzer Torwart Loris Karius. Obwohl Karius sehr viel Zeit hatte, ließ er sich von Valentin Stocker ein paar Meter vor dem Tor derart in Bedrängnis bringen, dass er sich nur mit einem peinlichen Foulspiel zur Wehr setzen konnte. Völlig zurecht entschied Schiedsrichter Deniz Aytekin für diese Aktion auf Elfmeter und Platzverweis für Karius. Da Jens Hegeler den Strafstoß souverän verwandelte, lag Hertha fortan nicht nur mit 1:0 in Führung sondern hatte auch einen Mann mehr auf dem Platz. Und kurz darauf sollte Valentin Stoker erneut zuschlagen. Zuerst versuchte er Roy Beerens perfekt aufzulegen. Als dieses misslang, war es aber wiederum seiner Spielfreude und Fokussierung geschuldet, dass er den von den Mainzern noch geradeso abgewehrten Ball wieder vor die Füße bekam und ihn nun an den Pfosten schoss. Vom Torpfosten abgeprallt rollte er direkt zum freistehenden Roy Beerens, der unbehindert zum 2:0 Abstauben konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Revanche für die schmähliche 1:3 Hinrundenpleite im Berliner Olympiastadion so gut wie geglückt.
Fabian Lustenberger hadert mit sich selbst nach dem Gelb-Rot Platzverweis durch Schiedsrichter Deniz Aytekin
Foto: Getty Images

Kapitän Fabian Lustenberger ging voran und vom Feld

Spannend wurde das Spiel erst wieder, als der leicht übermotivierte Fabian Lustenberger innerhalb von nur vier Spielminuten zweimal Gelb für Foulspiele sah und mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Sicher hatte Lustenberger im Hinterkopf, wie Hertha sich im Dezember das unsägliche 4:4 Unentschieden gegen die Frankfurter Eintracht einhandelt hatte. Damals schafften es die Berliner nicht eine 3:0 und später 4:2 Führung über die Zeit zu bringen, auch weil es an Raffinesse und nötigem kämpferischen Einsatz im Mittelfeld fehlte. –
Übrigens endlich. Bis zum 20. Spieltag dieser Saison mussten die Blau-Weißen Fans warten, dass Hertha BSC sich das 1. Mal vor dem SC Paderborn 07 in einer Spieltags-Tabelle platzierte. Wird dieser Vorsprung vor Paderborn bis zum letzten Spieltag gehalten und kann auch der SC Freibung auf Abstand gehalten werden, sollte Hertha auch den drohenden Abstieg vermeiden können.
Der Mainzer Torhüter sah für sein Foulspiel gegen Herthas Valentin Stocker die Rote Karte
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Entlassung Hertha-Trainer Jos Luhukay

Nach der Pleite gegen Bayer 04 Leverkusen ging plötzlich alles ganz schnell. Manager Michael Preetz zog die Reißleine und entließ Hertha-Trainer Jos Luhukay sowie dessen Assistenten Markus Gellhaus und Rob Reekers. Trotz Winterpause, Ferien und Trainingslager im türkischen Belek waren die Leistungen der Herthaner zum Rückrundenstart gegen Werder Bremen und Bayer 04 Leverkusen geradezu erschreckend blutleer. Es manifestierte sich der Eindruck, Trainer Jos Luhukay ist mit seinem Latein am Ende. Und es schien offensichtlich zu werden, dass er der Mannschaft aktuell keine erfolgversprechende Taktik vermitteln konnte. Darüber hinaus ließ er seinen Unmut öffentlich an schwächeren Spielern aus und manövrierte sich auch deshalb selbst ins Abseits. Spätestens hier musste Manager Michael Preetz handeln. Dass Michael Preetz den Trainerwechsel trotz vieler schwacher Mannschaftsauftritte 2014 nicht schon vor der Winterpause vollzog, war vielleicht nicht richtig aber ist dennoch nachvollziehbar. Er wollte Jos Luhukay diese letzte Chance geben. Schließlich hat sich der Holländer Luhukay in seiner 2 1/2jährigen Trainerzeit bei Hertha BSC mit direktem Wiederaufstieg nach Relegationsdebakel und folgendem souveränen Klassenerhalt sehr große Verdienste für den Verein erworben.

Schiedsrichter Deniz Aytekin

Ticker. 1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC – 0:2 (0:2). 26.756 Zuschauer in der Coface-Arena in Mainz wurden Zeugen, wie der 1. FSV Mainz 05 durch eine engagierte Berliner Mannschaft tief in den Abstiegssumpf gezogen wurde. Nur noch einen Zähler trennen beide Teams in der Tabelle. Schiedsrichter Deniz Aytekin und sein Schiedsrichtergespann hatten großen Anteil am Spielausgang. Denn vom zurecht erfolgten Elfmeterpfiff mit folgerichtigem Platzverweis für Torhüter Loris Karius und platziert geschossenem Strafstoß durch Jens Hegeler, erholten sich die Mainzer nicht mehr. Und als dann Roy Beerens nur sieben Minuten später aus Abseitsposition auf 2:0 erhöhte, war das Spiel so gut wie entschieden. Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigte den Herthanern Skjelbred, Wagner und Schieber jeweils die Gelbe Karte. Fabian Lustenberger sah gleich zweimal Gelb und musste das Spielfeld frühzeitig verlassen. Die Tore für Hertha BSC erzielten Jens Hegeler in der 35. per Strafstoß und Roy Beerens in der 42. Spielminute per Abstauber aus Abseitsposition. Herthas Spieler mit der größten Laufdistanz: Dauerläufer Peter Pekarik mit 11,54 gemessenen Kilometern.

Hertha BSC gegen 1. FSV Mainz 05
Hertha-Mannschaftsaufstellung und Einwechselspieler:
Februar 2015 - Mannschaftsaufstellung 1. FSV Mainz 05 - Hertha BSC

Hertha-Spiele Fußball-Historie

Ältere Spielberichte, Informationen und Meinungen zu Begegnungen beider Mannschaften vom Schiedsrichtergespann:

15. September 2014 – Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05 – 1:3
10. März 2014 – 1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC – 1:1
30. September 2013 – Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05 – 3:1
26. März 2012 – 1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC – 1:3
24. Oktober 2011 – Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05 – 0:0
13. Februar 2010 – Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05 – 1:1
12. September 2009 – 1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC – 2:1

Hertha BSC 1. FSV Mainz 05 Ergebnisse 1. Bundesliga
1. Bundesliga 20. Spieltag:

1. FSV Mainz 05 - Hertha BSC Valentin Stocker wie entfesselt

Hertha BSC 1. FSV Mainz 05 Tabelle 1. Bundesliga
1. Bundesliga 20. Spieltag:

Hertha-Trainer-Duo Pal Dardai Rainer Widmayer 1. FSV Mainz 05

Pressekonferenz mit den Trainern Pal Dardai und Kasper Hjulmand
1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC
HerthaTV, der offizielle YouTube-Kanal von Hertha BSC

12 Kommentare

  1. Widerspruch Euer Excellenz LR.
    Nach Aussagen der Berliner Morgenpost konnten viele Hertha Trainer seit März 1996 ihr erstes Pflichtspiel nicht gewinnen.
    http://www.morgenpost.de/sport/hertha-aktuell/article137257491/Ob-Ruehrei-oder-ungarische-Salami-ist-Pal-Dardai-egal.html
    „Kaum zu glauben, aber wahr: Pal Dardai, 38, ist gelungen, was kaum einer seiner Vorgänger seit März 1996 geschafft hat: zum Einstand als neuer Trainer bei Hertha BSC zu gewinnen.“
    Ich werde allerdings aus den Archiven nicht so weit schlau, dass ich erkennen könnte, welcher Trainer im März 1996 bei Hertha ins Amt kam.
    Kann ich hier 2 Links einfügen, ohne auf die Moderation zu warten?

    Egal. Ein prima Einstand jedenfalls für Dardai und Widmayer. 😀

  2. Der Blick auf die Tabelle hatte mich nach der Leverkusen-Pleite ziemlich depressiv verstimmt. Vorletzter, Platz 17, direkter Abstiegsplatz, nur Borussia Dortmund hatte noch weniger Punkte …

    Jetzt sind es nur noch fünf Siege bis zum Klassenerhalt. Ein, zwei, drei Unentschieden sollten nebenbei ja auch noch möglich sein.

    Hoffentlich sind Pal Dardai und Rainer Widmayer das Trainer-Duo mit Zukunft 🙂

    Leider, leider, lieber Blauer Montag. Zwei Links führen zwangsläufig zu Moderation, das ist systembedingt und wegen der ewigen Spammerei gewollt.

  3. Nu jut LR, dann unterhalten wir uns häppchenweise über Fußballgeschichte.

    http://www.fussballdaten.de/vereine/herthabscberlin/1996/

  4. Welches Ereignis bildet den Anlass für eine tiefergehende Recherche in der Hertha-Historie, lieber Blauer Montag? Ist der Trainerwechsel von Jos Luhukay zu Pal Dardai und Rainer Widmayer der Grund?

    Wenn man einen groben Blick auf die von Fussballdaten für die Zweitliga-Saison 1995/96 zusammengestellten Ergebnisse wirft, könnte man davon ausgehen, dass die Hertha damals einen soliden Mittelfeldplatz belegte. Aber die Wahrheit ist, Hertha schrammte extrem knapp an einem Abstieg in die Drittklassigkeit (Bedeutungslosigkeit) vorbei. Nur das gute Torverhältnis rettete den Verein vor dem Abstieg.

    Deshalb wurde damals nach der Hälfte der Saison in der „dreimonatigen“ Winterpause ebenfalls ein Trainerwechsel vollzogen. Hertha-Urgestein Karsten Heine wurde durch Hertha-Urgestein Jürgen Röber ersetzt, dem nicht nur die Rettung sondern sogar anderthalb Jahre später der Aufstieg in die 1. Bundesliga gelang.

  5. Jepp LR, so habe ich es auch gelesen. Nach den Daten dort übernahm Röber das Traineramt zum 1. Januar 1996. Nach dieser Lesart verstehe ich nicht die Aussage von Uwe Bremer – so wie zitiert gestern um 18:07 Uhr – in der Morgenpost über den Trainer, der im März 1996 beim ersten Spiel mit Hertha siegreich war?

  6. Zitat Morgenpost: „Die Epoche von Jürgen Röber begann mit einem 2:4 gegen Jena.“

    Soeben lese ich im Morgenpost-Artikel, dass Jürgen Röber zum Amtsantritt eine Niederlage hinnehmen musste. Vielleicht ist der Artikel in der Online-Ausgabe der Morgenpost später überarbeitet und verändert worden?

  7. Oder der Autor des Artikels hat sich in der Jahreszahl geirrt?
    Möglich wäre auch ein schlichter Tippfehler.

  8. Steven Jahn vom „Berliner Kurier“ hat sich recherchemäßig ins Zeug gelegt, um zum Thema „Trainer bei Hertha BSC und ihr Einstandsergebnis“ Licht ins Dunkel zu bringen. Unter der Überschrift „Hertha Feuerwehr-Trainer seit 1990“ hat er sämtliche Trainerwechsel bei Hertha BSC bis zum Jahr 1990 zurückverfolgt und aufgelistet. Demnach hat ein neuer Hertha-Trainer sein erstes Pflichtspiel so wie Pal Dardai höchst selten gewinnen können:

    Link zum Berliner Kurier

  9. Aha LR.
    Nach den Aussagen des von dir verlinkten Artikels hat Falko Götz im Jahre 2002 sein Einstandsspiel mit Hertha gewonnen. Nach weiteren 13 Jahren werden hoffentlich Dardai und Widmayer dem Sieg in Mainz weitere Siege folgen lassen.

    In der aktuellen Tabelle reicht in meinen Augen die Abstiegszone derzeit von Platz 18 hoch bis Platz 7. Hoffenheim, Frankfurt und Hannover werden vermutlich ihren Abstand in den kommenden speilen vergrößern – bitte aber nicht durch siege gegen Hertha. Gegen die weiteren Mitkonkurrenten von Köln bis Stuttgart sollte Hertha möglichst oft gewinnen. Allein in diesen 6 Spielen sind maximal 18 Punkte zu vergeben.

  10. Hoffenheim, Frankfurt und Hannover kommen ja erst später dran. Wenn es für Hertha dann immer noch ums nackte Überleben gehen sollte, sind Siege gegen genau diese drei Mannschaften immer drin. Insbesondere mit einem guten Motivator der die Mannschaft erreicht und nach vorne peitschen kann.

    Wer in der Bundesliga etabliert sein will, muss Heimspiele gegen Freiburg, Köln und Paderborn gewinnen, am besten souverän. Das stärkt das Selbstvertrauen und beweist, dass die Mannschaft ins Mittelfeld der Liga gehört. Im Umkehrschluss sorgen schwache Partien genau gegen Freiburg, Köln und Paderborn für Verunsicherung und Zweifel am eigenen Leistungsvermögen.

    Die Pleiten (Offenbarungseide) gegen Paderborn und Bielefeld im letzten Herbst haben den Weg geebnet für das spätere Aus von Jos Luhukay. Da kamen zurecht Selbstzweifel hoch.

  11. Oben lese ich noch einmal: „Die größte Überraschung war aber die unbändige Spielfreude von Herthas Angriffsreihe in der ersten Halbzeit. Unter der Führung vom bestens aufgelegten Valentin Stocker erspielten sich die Berliner endlich wieder einmal viele und gute Torchancen. So schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es im Mainzer Gebälk klingeln sollte.“

    Hoffentlich schreibt der Linienrichter dann in seinem nächsten Spielbericht, dass Hertha den Ball ins Freiburger Tor bringen konnte.

  12. So soll es sein!