Schiedsrichtergespann

Hertha BSC Blog – Berlin Fußball Bundesliga

Starker Matchplan reichte Hertha nicht in Dortmund

Mit 1:3 verlor Hertha BSC das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund und rutscht vorerst ab auf Tabellenplatz 10. Mit nun einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage aus den ersten drei Saisonspielen liegen die Berliner aber weiterhin gut im Punktedurchschnitt. Hertha-Trainer Pal Dardai und sein Co Rainer Widmayer hatten mit einer ausgeklügelten Defensivtaktik versucht, das derzeit brillante Offensivspiel der Dortmunder möglichst lang zu unterbinden. Und die Taktik funktionierte bestens, bis Valentin Stocker den Dortmunder Kagawa nicht hinderte eine gut getimte Flanke in den Hertha-Strafraum zu schlagen, die am langen Pfosten von Weltmeister Mats Hummels perfekt per Kopf zum 1:0 verwertet wurde. Der Bann war gebrochen.
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Herthas Sebastian Langkamp sprang nicht hoch genug. Weltmeister Mats Hummels trifft per Kopf zum 1:0.
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Fast griff Hertha-Trainer Pal Dardais Plan B


Die taktische Einstellung der Mannschaft von Hertha-Trainer Pal Dardai und Co-Trainer Rainer Widmayer zielte auf einen körperlich anstrengenden Abnutzungskampf. Da Borussia Dortmund unter der Woche noch ein Europa League Qualifikationsspiel zu bestreiten und dementsprechend Kraft gelassen hatte, wurde bei Plan A auf Ermüdungstaktik bei höchster Sicherheitsstufe gesetzt. Und die klimatischen Verhältnisse spielten dieser Taktik zusätzlich perfekt in die Karten, denn es war ultraheiß im ehemaligen Westfalenstadion. Schiedsrichter Guido Winkmann spendierte sogar zwei Extratrinkpausen für die Spieler.

Schiedsrichter Winkmann spendiert Extratrinkpausen

Bei der Offensivpower der Schwarz-Gelben war aber abzusehen, dass Plan A, ein 0:0 Unentschieden, sich jederzeit während der 90 Spielminuten zur reinen Makulatur entwickeln konnte und deshalb auch ein guter Plan B in die Taktik-Schublade gehörte. Und fast griff Plan B. Denn die drei Hertha-Einwechselspieler Mitchell Weiser, Alexander Baumjohann und Salomon Kalou ließen die Partie, die zu diesem Zeitpunkt mit 2:0 Führung für Dortmund als gelaufen schien, fast noch zu Herthas Gunsten kippen.
Ein Abstaubertor von Hertha-Torjäger Salomon Kalou machte die Partie noch einmal spannend
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Salomon Kalou Abstaubertor zum Anschluss

Die drei frischen Kräfte und die damit einhergehende Systemumstellung brachten die Dortmunder in der Defensive kurzfristig zum Schwimmen. Und in der Folge konnte Schlussmann Bürki einen Schuss von Vladimir Darida nur unzureichend abwehren. Von Bürkis Händen pariert, rollte der Ball direkt vor die Füße von Hertha-Torjäger Salomon Kalou, der dieses Geschenk einfach dankend annahm. Das Abstaubertor hätte Kalou wohl auch blind gemacht, so frei stand er vor dem Dortmunder Kasten. Von Rechts wegen hätte Schiedsrichter Guido Winkmann Kalous Anschlusstreffer wohl wegen Abseitsstellung abpfeifen müssen. Aber den Hertha-Fans war es recht, denn das irreguläre Tor gab dem Spiel für die Schlussminuten die richtige Extrawürze.

Hertha verpflichtet Stürmer Vedad Ibisevic

Welche Rolle Torjäger Salomon Kalou im Hertha-Kader zukünftig einnehmen wird, ist nach der Verpflichtung von Stürmer Vedad Ibisevic offen. Denn endlich haben die Hertha-Verantwortlichen Nägel mit Köpfen gemacht und den so dringend benötigten zusätzlichen Stürmer verpflichtet. Da die Verletzungen der anderen Stürmer des Kaders Julian Schieber und Sami Allagui sich als sehr langwierig erweisen und Sandro Wagner den Verein verlassen musste, war eigentlich schon vor Monaten klar, Hertha benötigt einen torgefährlichen Sturmtank, der wenigstens für 5-10 Tore pro Saison gut ist. Ob der 31 Jahre alte Bosnier Vedad Ibisevic diese Tore schießen wird? In der langen zurückliegenden Sommerpause mit zwei wichtigen Trainingslagern konnte er sich jedenfalls nicht mit der Mannschaft einspielen. Und beim VfB Stuttgart wurde Ibisevic zuletzt überhaupt nicht mehr eingesetzt, obwohl er mit kolportierten 3 Millionen Jahresgehalt sicher zu den Topverdienern der Stuttgarter gehörte.
Herthas Defensive gab alles, um den Sturmlauf der Dortmunder zu unterbinden. Thomas Kraft, Peter Pekarik und Fabian Lustenberger stoppen Mkhitaryan.
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Transfer-Wahnsinn im Profifußball

Das Geschacher um extraordinäre Ablösesummen, monströse Gehälter, gebrochene bzw. aufgelöste Arbeitsverträge, um Zwangstransfers sowie Abschiebung in Trainingsgruppe 2, nimmt aberwitzige Züge an. Aktuell diktiert ein kapitalistischer Quantensprung völlig neue Modalitäten im europäischen Profifußball. 40 Millionen Ablöse für den Hoffenheimer Firmino, 75 Millionen für den Wolfsburger De Bruyne, das Marktgefüge der Bundesliga wird kräftig durcheinanderwirbelt und vielleicht sogar nachhaltig verändert. Die Kluft zwischen armen und reichen Bundesligavereinen wird jedenfalls sichtlich neu definiert. Wo wird Hertha BSC am Ende dieser turbokapitalistischen Entwicklung stehen, fragt man sich?

Acht Sommer-Zugänge für Hertha BSC

Vier neue Spieler verpflichtete Hertha BSC im Sommer. Vedad Ibisevic vom VfB Stuttgart, Niklas Stark vom 1. FC Nürnberg, Vladimir Darida vom SC Freiburg und Mitchell Weiser von Bayern München. Dazu kommt noch der an den 1. FSV Mainz 05 ausgeliehene und nun zurückgekehrte Sami Allagui. Darüber hinaus wurden mit drei Nachwuchskräften Profiverträge geschlossen. Florian Kohls, Maximilian Mittelstädt und Nils Körber. Insgesamt also acht neue Gesichter im Hertha-Kader.

Sieben Sommer-Abgänge von Hertha BSC

Dafür haben sieben Profis die Berliner im Sommer verlassen. Nico Schulz wechselte zu Borussia Mönchengladbach, Peter Niemeyer und Sandro Wagner zu SV Darmstadt 98, John Heitinga zu Ajax Amsterdam, Marcel Ndjeng zum SC Paderborn 07 und Hajime Hosogai wurden an Bursaspor verliehen. Und Fabian Holland verließ Hertha BSC nun ebenfalls endgültig und wechselte zum SV Darmstadt 98 an welchen er zuvor schon ausgeliehen war.

Hertha Transfer-Bilanz

Die Hertha Transfer-Bilanz liest sich erst einmal gut. Die Mannschaft 2015/16 scheint nach den Sommer-Transfers insgesamt besser besetzt zu sein, als die der letzten Saison. Schwächen wird Hertha nur der Abgang des Berliner Urgesteins Nico Schulz. Alle anderen Abgänge kamen unter Hertha-Trainer Pal Dardai nur selten zum Einsatz oder waren mehr oder weniger Ergänzungsspieler. Für eine positive Transferbilanz steht an oberster Stelle die für das Spielsystem so enorm wichtige Verpflichtung von Vladimir Darida. Darida besetzt die bislang vakante Position des Umschaltspielers/Spielmachers. Und schon nach nur vier Saisonpflichtspielen ist Darida nicht mehr aus Herthas Mittelfeld wegzudenken.
Herthas Königstransfer Vladimir Darida lief 12,26 Kilometer
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Königstransfer Vladimir Darida

Vladimir Darida ist der starke Königstransfer dieser Transferperiode. Darüber hinaus wurden mit Niklas Stark und Mitchell Weiser zwei junge Spieler verpflichtet, die den Sprung in die Stammformation schon in dieser Saison schaffen könnten. Beide haben Bundesligaerfahrung und sind unbedingt entwicklungsfähig. Bei Vedad Ibisevic steht ein Fragezeichen. Seine Topleistungen in der Bundesliga liegen länger zurück. Ich hoffe ein wenig darauf, dass Pal Dardai mit dem Typen Ibisevic gut kann. Und ich hoffe darauf, dass Dardai diesem Transfer vorbehaltlos zustimmte, weil er genau dessen Torjäger-Stärken für sein Spielsystem suchte.
Vor dem Spiel hatte Hertha-Trainer Pal Dardai noch gute Laune
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Schiedsrichter Guido Winkmann

Ticker. Borussia Dortmund – Hertha BSC – 3:1 (1:0). 80.500 Zuschauer sahen im Signal-Iduna-Park eine bestens aufgelegte Dortmunder Mannschaft, die viele hochkarätige Torchancen ausließ. Trotz leidenschaftlichem Kampf mussten die Herthaner sich dem Qualitätsunterschied letztendlich beugen. Schiedsrichter Guido Winkmann und sein Schiedsrichtergespann leiteten die äußerst faire Partie unauffällig und zumeist richtig. Der Hertha-Treffer von Kalou fiel allerdings aus einer Abseitsstellung, was die Fernsehbilder eindeutig belegten. Winkmann zeigte den Hertha-Spielern Bergh und Weiser jeweils die Gelbe Karte. Das Abstaubertor für Hertha BSC erzielte Salomon Kalou in 78. Spielminute. Die Tore für Borussia Dortmund markierten Hummels per Kopfball in der 27., Aubameyang in der 51. sowie der Ex-Herthaner Adrian Ramos in der 93. Minute. Herthas Dauerläufer der Partie: Vladimir Darida mit 12,26 gemessenen Kilometern.

Hertha BSC gegen Borussia Dortmund
Hertha-Mannschaftsaufstellung und Einwechselspieler:
August 2015 - Mannschaftsaufstellung - Hertha BSC - Borussia Dortmund

Hertha-Spiele Fußball-Historie

Ältere Spielberichte, Informationen und Meinungen zu Begegnungen beider Mannschaften vom Schiedsrichtergespann:

11. Mai 2015 – Hertha-Fans Folter – Borussia Dortmund – Hertha BSC – 2:0
15. Dezember 2014 – Leidenschaft – Hertha BSC – Borussia Dortmund – 1:0
12. Mai 2014 – Saisonausklang – Hertha BSC – Borussia Dortmund – 0:4
23. Dezember 2013 – Wahnsinn Sami Allagui – Borussia Dortmund – Hertha BSC – 1:2
20. Februar 2012 – Fallrückzieher-Tor – Hertha BSC – Borussia Dortmund – 0:1
10. September 2011 – Zauber – Borussia Dortmund – Hertha BSC – 1:2
27. März 2010 – Millionending – Hertha BSC – Borussia Dortmund – 0:0
30. Oktober 2009 – Bonjour Tristesse – Borussia Dortmund – Hertha BSC – 2:0
04. April 2009 – Lauf endet – Hertha BSC – Borussia Dortmund – 1:3
26. Oktober 2008 – Unentschieden – Borussia Dortmund – Hertha BSC – 1:1

Hertha BSC Borussia Dortmund Ergebnisse 1. Bundesliga
1. Bundesliga 3. Spieltag:

Salomon Kalou Abstaubertor Borussia Dortmund - Hertha BSC

Hertha BSC Borussia Dortmund Tabelle 1. Bundesliga
1. Bundesliga 3. Spieltag:

Hertha-Trainer Pal Dardai Borussia Dortmund – Hertha BSC

Pressekonferenz mit den Trainern Pal Dardai und Thomas Tuchel
Borussia Dortmund – Hertha BSC
HerthaTV, der offizielle YouTube-Kanal von Hertha BSC

8 Kommentare

  1. Wow „Ermüdungstaktik bei höchster Sicherheitsstufe“. 👌 👌
    Formulierungen von höchstem Unterhaltungswert.

  2. Wie soll man die Leistung eines einzelnen Spielers fair bewerten in einer Mannschaftssport?

    gelaufene km, Pässe und Fehlpässe, gewonne Zweikämpfe – Zahlen sind schön und gut. Aber warum wurde der Pass vom Spieler Lustenberger, Darida oder Skjelbred zum Fehlpass? Das kann nur eine Videobetrachtung der jeweiligen Spielsituation klären.

    Hertha hat mit diesen 3 Spielern sowie Cigerci, Kohls und Stark sechs Spieler von Mittelklasseformat der Bundesliga für das defensive Mittelfeld im Kader. Welche von ihnen in den weiteren Pflichtspielen dieser Saison die meisten Spielminuten leisten werden, entscheidet der Trainer. Keiner in diesem Sechserpack ist in meinen Laienaugen klar besser oder schlechter als die anderen – nur jünger oder älter. Ich hoffe, auch Pal kann – auf Basis eines guten Punktepolsters – gelegentlich aufstellen nach em Motto: „Im Zweifel spielt der Jüngere“.

  3. Die Leistung eines jeden Spielers hängt stark von seinen Mitspielern ab. Das Fußballspiel in der Bundesliga ist so schnell, das der Faktor Zeit eine enorm wichtige Rolle spielt. Wenn also der Spieler schon bei der Ballannahme schwer unter Druck eines Gegenspielers gerät, ist der Fehlpass vorprogrammiert.

    In Herthas neueingeübtem Spielsystem werden die Bälle vom Torwart oder Innenverteidiger nun auch direkt als Flachpass an den Sechser, in die Mitte des Platzes, weitergegeben. In der letzten Saison war diese Form der Spieleröffnung aus Verunsicherung und fehlender technischer Qualität fast gänzlich aus dem Programm gefallen.
    In erster Linie übernimmt Vladimir Darida diese Sechser Anspielstation. Und in meinen Augen funktioniert die Spieleröffnung so schon ganz gut. Hertha hat mehr Ballbesitz und agiert entschieden kontrollierter auf dem Platz, als letzte Saison.
    Per Skjelbreds Stärken liegen da mehr in der Aufgabe, die Angriffe des Gegners zu stören und bestenfalls zu unterbinden, als das eigene Aufbauspiel ideenreich zu gestalten.
    Sollte Fabian Lustenberger von der Innenverteidigung auf die Sechs vorrutschen, ersetzt er entweder Skjelbred oder er spielt neben Skjelbred und Darida wird dafür nach vorne verschoben.
    Florian Kohls wird wahrscheinlich erst einmal wenig bis keine Einsatzzeit erhalten.
    Und Niklas Stark soll wohl als dritter Innenverteidiger zum Einsatz kommen und nicht im defensiven Mittelfeld spielen.
    Bleibt noch Tolga Cigerci. Ich kann mich erinnern, dass Cigerci in seiner guten Phase das Spiel ziemlich an sich zog. Er schoss gefährliche Freistöße und agierte gern weiter vorn auch als finaler Passgeber. Vielleicht rangeln Cigerci und Baumjohann bald um die Spielmacherposition. Hegeler, Stocker und Ben-Hatira hatten auf der Zehn bislang nur wenige große Momente.

  4. awie
    1. September 2015 um 11:21 | 497341

    Und noch ein Wort zur “Baustelle” offensives Mittelfeld:
    Die einzige Position, auf welcher sich in diesem Sommer ein Herthaner in der Kategorie “im weiteren Feld” der kicker-Rangliste plazieren konnte, war……im offensivem Mittelfeld, in der Person von V. Stocker.
    Ich persönlich sehe ihn dort auch stärker als auf der Aussenbahn. mit Ihm und Baumi sehe ich diese Position gut besetzt.
    Den klassischen 10er, welcher hier von Einigen vermisst wird, gibt es doch eh nicht mehr.

    Das las ich gestern bei immerhertha.de.
    Leider habe ich die dort zitierte Rangliste nicht im Internet gefunden.

    Wir werden sehen, ob Stocker in Zukunft bei Hertha als echter Linkaußen spielen wird, oder sich mit Baumjohann und Cigerci als finaler Passgeber aus dem zentralen Mittelfeld abwechseln wird. Nach dem Verkauf von Schulz können wohl nur noch Haraguchi und Weiser auf der linken Außenbahn spielen. Oder ein gesunder Ben-Hatira.

  5. Funktioniert hier die Zitierfunktion blogquote nicht?

  6. Besser: blockquote

  7. Wir müssen wohl ohne Blockquote auskommen 😉

    Hertha hat zwar „nur“ vier neue Spieler verpflichtet, aber schon bei der Überlegung, wie man das Mittelfeld am effektivsten besetzt, ergeben sich doch recht viele Varianten.

    Auch weil das Wirken von Co-Trainer Rainer Widmayer erste Früchte trägt. Ich bin sehr gespannt, welche Spieler durch das neue Spielsystem und den neuen Ballverteiler Darida individuell besser zur Geltung kommen werden oder im Umkehrschluss, den Anschluss verlieren.

  8. Hoffentlich klappen die „Anschlüsse“ besser als beim vorigen Herthasponsor. 😉