Schiedsrichtergespann

Hertha BSC Blog – Berlin Fußball Bundesliga

Letzte Hoffnung Relegationsplatz

Der letzte Hoffnungsschimmer für Hertha im Abstiegskampf ist das Erreichen des Relegationsplatzes. Denn gefühlt ist die Tür zu den Nichtabstiegsplätzen mit Wucht zugeknallt. Hertha BSC kassiert eine deftige 1:4 Packung gegen den VfL Wolfsburg und alle direkten Konkurrenten im Abstiegskampf gewinnen. Naja, stimmt nicht ganz. Der 1. FC Kaiserslautern hat auch verloren und steht, wenn Balakov nicht noch ein Wunder vollbringt, als erster Absteiger wohl so gut wie fest.

Hertha und Köln im Abstiegsstrudel

Und der 1. FC Köln verliert. Ein Strohhalm zum Festhalten für die Berliner Fans. Denn im Gegensatz zur Hertha, die mit Otto Rehhagel irgendwo auf niedrigem Niveau konsolidiert, fliegt im nervenaufreibenden Abstiegsstrudel beim 1. FC Köln gerade alles tosend auseinander. Die mickrigen zwei Punkte Vorsprung, die die Kölner noch auf die Hertha haben, sollten in den noch ausstehenden sechs Partien aufzuholen sein. Und wenn die Herthaner dann den Relegationsplatz schaffen sollten, sind sie auch leicht favorisiert auf das Halten der Klasse gegen den Drittplatzierten der 2. Liga.

Zittern in den Knien

Bei der Leichtigkeit mit der sich die Hertha-Offensive gegen die Wolfsburger Verteidigung hochkarätigste Torchancen herausspielte, war man sogar nach dem 1:2 noch voller Zuversicht, dass das Spiel für die Hertha zu drehen ist. Aber die eklatante Abschlussschwäche aller Hertha-Stürmer hatte etwas Unfassbares. Treffend kommentierte Hertha-Trainer Otto Rehhagel das Versagen seiner sichtlich verunsicherten Stürmer, „Die Jungs sind natürlich nervös wegen des Tabellenplatzes, da zittert man ein bisschen in den Knien“. Von außen betrachtet, scheint aber die Moral der Mannschaft intakt zu sein. Der Spielaufbau nach vorn und die taktische Ordnung insgesamt funktionierten eigentlich ganz gut. Die individuelle Klasse der Wolfsburger Dejagah, Helmes und Mandzukic, denen im Zweikampf gegen Herthas Verteidiger an diesem Abend einfach alles gelang, entschied die Partie.

Schiedsrichter Marco Fritz

Ticker. Hertha BSC – VfL Wolfsburg – 1:4 (1:2). 46.388 Zuschauer sahen im Berliner Olympiastadion wie Hertha BSC im Abstiegskampf deutlich an Boden verliert. Das Tor zur Führung von Hertha BSC erzielte Levan Kobiashvili in der 13. Spielminute per Abstauber nach Vorarbeit von Rukavytsya. Die vier Tore für die Wolfsburger erzielten Janker per Eigentor in der 29., Patrick Helmes in der 34. und 81. sowie Mandzukic in der 77. Minute. In der von beiden Seiten äußerst fair geführten Partie zeigte Schiedsrichter Marco Fritz nur dem Herthaner Christian Lell eine Gelbe Karte wegen Meckerns. Herthas Rekordläufer der Partie: Änis Ben-Hatira mit 11,55 gelaufenen Kilometern.


Mannschaftsaufstellung Hertha BSC:
Mannschaftsaufstellung Hertha BSC VfL Wolfsburg

Hertha-Spiele Fußball-Historie

Ältere Spielberichte, Informationen und Meinungen zu Begegnungen beider Mannschaften vom Schiedsrichtergespann:

29. Oktober 2011 – VfL Wolfsburg – Hertha BSC – 2:3
21. März 2010 – VfL Wolfsburg – Hertha BSC – 1:5
25. Oktober 2009 – Hertha BSC – VfL Wolfsburg – 0:0
21. Februar 2009 – VfL Wolfsburg – Hertha BSC – 2:1
13. September 2008 – Hertha BSC – VfL Wolfsburg – 2:2

Hertha BSC VfL Wolfsburg Ergebnisse 1. Bundesliga1. Bundesliga 28. Spieltag:

Hertha BSC - VfL Wolfsburg Abstiegskampf Abstiegsstrudel

Hertha BSC VfL Wolfsburg Tabelle 1. Bundesliga1. Bundesliga 28. Spieltag:

Relegationsplatz Hertha BSC VfL Wolfsburg Abstiegskampf

3 Kommentare

  1. Mann, wann ist diese Grottensaison bloß endlich zu Ende und die Fans werden von ihren Leiden erlöst? Es scheint unvermedibar, dass das Leiden am 34. Spieltag seinen finalen Höhepunkt erreicht – eventuell noch mit drei Zusatzspielen in der Relegation und auf der Mitgliederversammlung.

  2. 1000x lieber den absoluten Abstiegsstrudel in der 1. Bundesliga durchleben mit Händezittern, Magendrücken, Verdauungsunregelmäßigkeiten, Hitzewallungen, Aggressionsschüben, Depressionsschüben und Apathieanwandlungen als im Mittelfeld der 2. Liga mit Bochum und Cottbus im Zustand der Dauerschläfrigkeit um die goldene Zitrone zu spielen.

  3. Drei Punkte verkegelt, weil x Torchancen verballert

    „Immer ist irgendetwas“, sagt der Volksmund ärgerlich, wenn es nicht rund läuft und er dafür eine Stafette verschieden lästiger Ursachen ausmacht.

    Zuerst war es nach dem Abgang von Teamchef Babbel Ende 2011, ab Beginn 2012 die Torerzielungslosigkeit der schwarzblauen Elf, dann kam die offensichtlich chronisch überforderte Hertha-Abwehr ins Gerede. Spätestens jetzt aber geriet auch der statt Babbel georderte Neutrainer Skibbe ins Visier der Ursachenforscher, und viele entdeckten relativ spät, dass dessen bisherige, vorherthanische Erfolgsbilanz ihn nicht unbedingt zum personell großen Wurf von Preetz machte, worauf Sportdirektor Preetz dann erst richtig in die Kritik geriet und für nicht Wenige zum eigentlich ursächlichen Ärgernis werden ließ. Auch ein sich in ungezählten Spielszenen abholt zeigendes Glück wurde, zumindest gefühlt, durch ein immer öfter hereinbrechendes Pech gänzlich vertrieben, vergiftete zusammen mit der notorischen Torlosigkeit und einer Wackelabwehr die Stimmung der Mannschaft zusätzlich und mündete in eine allgegenwärtig agilitätsbehindernde Hoffnungslosigkeit.

    Schließlich kippte die Chemie im Kader auch für Außenstehende beobachtbar um, und spätestens aus der Kabine dringende Friktionen zwischen den Akteuren und ihrem die richtige Ansprache anscheinend nicht findenden Trainer machten letzteren bei anhaltender Niederlagenserie bzw. einem ungebremsten Tabellenabsinken zur unhaltbaren Personalie.

    Dann wurde unerwartet, geradezu überraschungscouphaft Liga-Gründungsbeteiligter und Fußballoberlehrer-Methusalem Otto Rehhagel als Skibbe-Ersatz reaktiviert, zudem überwiegend freudig begrüßt und brach das Gesetz der Serie, ließ Hertha immerhin zweimal gewinnen, aber auch viermal verlieren.

    Die Nerven lagen abstiegsgefährdeter denn je weiterhin blank und folglich zogen die Schiedsrichter weiterhin überdurchschnittlich oft gegen nicht wenige Herthaner blankes Gelb und auch letales Rot. Dies spiegelte wiederum die überdurchschnittlich häufige Unterlegenheit in den Zweikämpfen der Berliner wider – ein weiteres hartnäckiges Dauerdefizit im Repertoire des Teams.

    Während die beiden Siege die Schwächen im Hertha-Kader nicht gänzlich vertrieben, zeigten die vier Niederlagen, die gegen Bayern München sogar in desaströser Weise, dass die Grundübel in der Mannschaft unter Ottos Fuchtel nicht ausgerottet werden konnten. Ladehemmungen im Angesicht des gegnerischen Tores und eine sich regelmäßig selbst dekonstruierende Defensive blieben der Mannschaft in den Spielen treu. Auch das Mittelfeld war häufig mehr mittrabend, als dass es zum Spielaufbau beitrug, einen solchen erst möglich machte.

    Am letzten Samstag traten die Erfolgspuristen gegen die Werkswölfe der Autobauerweltstadt Wolfsburg im eigenen Gemäuer des Olympiastadions an.

    Schon in, spätestens jedoch nach der Begegnung fühlte man sich an die geradezu als Running-Gag von Edda Seippel als Margarethe Kempowski im TV-Zweiteiler „Tadellöser & Wolff“ immer wieder entgeistert geäußerte Fassungslosigkeit „WIE ISSES DENN NUR MÖGLICH???“ erinnert und verspürte die Verzweiflung dieser redlichen Roman- bzw. Filmfigur, allerdings als Hertha-Sympathisant in aktuellem Zusammenhang neu, noch häufiger – und bei jedem Mal mindestens genauso intensiv.

    „Immer ist irgendetwas mit Hertha“ – nachfolgend der Versuch einer komprimierend deprimierenden Rekonstruktion eines weiteren unerfreulichen Spieltages:

    7. Minute: Ein langer Pass aus der Tiefe der Herthahälfte – eigentlich eher ein Befreiungsschlag – kommt zu Raffael, der mit dem Ding rechts losstürmt, während seine lindgrünen Verfolger vom VfL Wolfsburg den Anschluss zu ihm verlieren. Der Herthaner ballert und verfehlt ins lange Eck zielend dieses flach am Pfosten vorbei um einen knappen Meter. Er hätte auch auf den in der Mitte mitlaufenden Ramos abgeben können, sagt mahnend der Fernsehkommentator und wirf ihm Vollstrecker-Egoismus vor, aber Ramos war durch einen Wolfsburger abgeschirmt, sagt der genau beobachtende TV-Zuschauer und hält dessen selbsttätigen Schuss für alternativlos.

    Dann spielt Raffael vom Mittelkreis aus den rechts laufenden Ramos an, der schießt auch auf das lange Eck, diesmal aber ungefährlich vorbei.

    13. Minute: Gleiche Masche, andere Akteure: Änis Ben-Hatira schlägt aus eigener Hälfte einen riesig-langen Pass auf Nikita Rukavytsya, der nimmt das hohe schnelle Ding aus vollem Vorwärtslauf präzise an, tigert mit ihm gleichschnell weiter. Träsch eilt ihm hinterher, dann zieht Rukavytsya ab, Wolfsburg-Torwart Benaglio lässt vom rechten Oberarm abprallen, aber der in der Mitte mitgelaufene Kobiashvili drückt die Pille schließlich abstaubend ein.

    Der gute, an Jahren alte, lang gediente und zudem noch als Aufbauspieler eingeteilte, unermütliche Levan Kobiashvili zeigt den notorisch erfolglosen Club-Kameraden der Offensiv-Abteilung, wie es trotzdem geht, wenn’s vorne nicht einschlagen will. Es muss nicht immer Artistik sein, ein solide umgesetzter Torinstinkt reicht zum Zähl-Erfolg häufig schon aus.

    Hertha spielte in dieser Situation, das, was sie von allem noch am besten kann: schnellen – das Mittelfeld kaum einschaltenden – passgestützten Konterfußball über zwei, maximal drei Stationen. So überläuft man den Gegner und locht endlich ein: 1:0.

    Dann ein Freistoß von links für die Grünen, den Kraft nach Auftippen letztlich rechts an der Hertha-Kiste vorbeigehen lässt.

    Dann Herthaner Ben-Hatira wieder von rechts, schwenkt mittig ein und ballert mit dem linken Treter aufs Tor und knapp darüber hinweg.

    Hertha hat mit Torchancen-Anzahl zu diesem Zeitpunkt ein Übergewicht von vermeintlich 4:1. Der Leitwolf des grünen Rudels, Felix Magath, bleibt aber cool. Eher muss sich die Hertha-Bank Sorgen machen, denn das Ding schlägt in Anbetracht der eigenen Überlegenheit nicht oft genug ins Netz des Gegners ein. Eine solche Erzwingungsschwäche hat den Berlinern in der jüngsten Spielgeschichte schon so oft den Garaus gemacht, und so kommt alles, wie gehabt …

    29. Minute: Eine von links nach rechts geführte Ballstafette der Niedersachsen lässt Ashkan Dejagah aus spitzem Winkel aufs Tor knüppeln, und der Herthaner Christoph Janker leitet den Ball abprallend unglücklich-unbeholfen auf dem Spann ins eigene Tor, nämlich als Eigentor. Der Ball lief paralell zur Torlinie, obwohl die lange Seite des Tores völlig offenstand, hätte Janker ihn nur ins Leere laufen lassen müssen … bravo, wieder einmal eine Glanzleistung der Hertha-Defensive und 1:1.

    Eigene Chancen nicht nutzen und die Chancen der Anderen vollenden, so wird das nichts mehr mit dem Klassenerhalt, nicht einmal mehr über den beschwerlichen Relegationsweg.

    34. Minute: Ein schöner wölfischer Sololauf von Dejagah an der rechten Seite entlang lässt zwei Herthaner hinter sich, dann eine präzise Flanke auf Patrick Helmes und der knallt gedeckt, jedoch unbehindert, ungebremst, plazierend gnadenlos ein. 1:2 für die Gäste aus der Er-läuft-und-läuft-und-läuft-Wunderwirtschaftszone.

    Auch auf der Hertha-Bank wundert man sich wahrscheinlich mittlerweile wieder einmal mehr über das eingetreten fatal Unliebsame – oder auch nicht. Das Qualitätslevel im Berliner Mannschaftszusammenspiel und bei den Spieler-Einzelleistungen ist immer noch und immer wieder das gleiche, nämlich nicht wettbewerbstauglich.

    Preetz rauft sich routinemäßig die Haare, Rehhagel legt sein maskenhaftes Stoikergesicht wahrscheinlich nur noch gegenüber seiner Ehefrau, der von ihm oftmalig erwähnten Beate, ab.

    Befindet sich der Berliner Maikäfer, diesmal zusammen im Gehege mit einem munter krabbelnden VW-Käfer, wieder einmal mehr in einer unaufhaltsamen Rollbewegung zur gewohnt finale Rückenlage?

    Dann Rukavytsya in kraftvollem Sturmlauf auf Ramos, der dann verpasst, weil der Wolfsburger Torwart herausgelaufen ist und ihm die Kugel von der Pike abfischt.

    Die letzte Torsituation in der ersten Halbzeit versandet nach Freistoß für die Wolfsburger in den Händen von Keeper Kraft.

    Bei weiterem Furor der Herthaner, trotz anhaltend spärlicher Ertragslage, ist jetzt in der zweiten Hälfte vielleicht noch ein Gegentor, damit ein Unentschieden und ein wertvoller Überlebenspunkt möglich …

    Zweite Halbzeit.

    Felix Bastians bleibt zugunsten von Pierre-Michel Lasogga deaktiviert in der Kabine zurück, noch mehr Sturmwind soll den Wölfen jetzt entgegenwehen und sie zum Heulen bringen. Doch alles bleibt eher für Hertha jammervoll.

    Der erste Sturmlauf erfolgt erneut von Hertha: Raffael auf Ben-Hatira, beide in gewohnt schnellem Vorwärtsgang, Letzterer hält aufs Tor, Benaglio macht auch diesen Ball durch Faustabwehr zunichte. Der Mann mit der Rückennummer 1, Diego Benaglio, spielt 1A und schmettert ein ums andere Mal die Hertha-Anläufe ab. Das muss er auch, denn seine Abwehr-Kollegen laufen diesen meistens nur hinterher, bestenfalls neben diesen her.

    Dann ein weiter Pass von Rukavytsya auf Roman Hubnik, dessen Kopfball wiederum in den Händen von Benaglio landet.

    Ein weiteres Mal patzen die Grünen im Mittelfeld, verlieren den Ball an Ben-Hatira, der steckt auf den sich rechts freilaufenden Lell durch, der wiederum auf den links freilaufenden Lasogga passt, der links dann flach am Pfosten vorbei vergibt.

    Dann ist Ramos völlig unbedrängt mit dem Ball allein vor dem gegnerischen Tor und lädt noch vor der Strafraumgrenze ab: viel zu früh, viel zu unplatziert, folglich wehrt Benaglio ab. Mit dieser zweitligareifen Solo-Vorstellung schwand die Hoffnung der Hertha-Fans auf den Rängen genauso, wie die zu einem Ausgleichstor noch zur Verfügung stehende Zeit.

    Aber das Vertun der Chancen ist damit noch nicht beendet: Rafael tritt eine linke Ecke, Sebastian Neumann bedient Ramos, dessen Kopfball geht über den Kasten hinweg.

    77. Minute: Auf der anderen rechten Seite dann ein bogenförmiger Musterpass von Christian Träsch auf den schnell vorpreschenden Mario Mandžukic, der eiskalt ins lange Eck einknallt. 1:3 für Wolfsburg.

    81. Minute: Hertha haben die Kräfte verlassen, und der Westdeutsche Mario Mandžukic passt auf der rechten Seite laufend den halblinks völlig unbehelligt aufs Berliner Tor zulaufenden Helmes vor die Füße. Der versenkt im rechten Dreiangel.

    Hertha BSC – 1:4 – VfL Wolfsburg.

    Wenig später erfolgt der erlösende Schlusspfiff.

    Da die bisherige Schilderung des Spielablaufes diesen geradezu selbsterklärend zu machen verstand, entfällt hier eine Schlussbetrachtung, denn was soll man dazu noch viel kommentieren, wenn sich eine Mannschaft am Ende der Saison vom 17. Tabellenplatz wegen dauerhafter Ladehemmung nicht mehr zu lösen vermag?